DAX-Investment: Überhitzt und übermütig wie 2015?
Die Märkte starten heute mit Ruhe in die Woche – keine neuen Krisen, keine belastenden Schlagzeilen. Das leidige Thema Zölle? Vorübergehend auf die lange Bank geschoben. Die USA sondieren ihre bilateralen Handelsbeziehungen und die Vorbereitungen sollen bis zum 1. April abgeschlossen sein. Bis dahin dürfte sich Trump aber noch mehrfach äußern und versuchen, Deals zu erzielen.
Auch die Konjunkturdaten gönnen sich eine Pause. Die Wall Street bleibt heute wegen eines Feiertags geschlossen, und abseits einiger Unternehmensberichte – u.a. von Sartorius, MTU, Mercedes-Benz und Airbus – sieht der Newsflow in dieser Woche dünn aus. Selbst das Fed-Protokoll aus der Januar-Sitzung am Mittwoch dürfte kaum für Zündstoff sorgen.
Zeit also für einen Blick auf das große Bild – und das könnte sich fast als Kunstwerk an der Börsenwand verewigen lassen. Die Performance-Rangliste führt der DAX mit stolzen 13 Prozent Jahresplus an. Gleich dahinter: der TecDAX. Auch der MDAX zählt seit Monatsbeginn mit gut drei Prozent zu den stärkeren Indizes und könnte sich aus seiner monatelangen Seitwärtsrange befreien. Besonders der vergleichsweise weite Abstand zum 36-Monats-Hoch bietet perspektivisch viel Nachholpotenzial.
Interessant: Erstmals seit Langem schlägt Europa die USA. Der Euro Stoxx 50 liegt satte acht Prozentpunkte vor den US-Indizes – eine ungewohnte Stärke. Doch wo Licht ist, lauert auch Schatten. Die Märkte sind überhitzt. Vor vier Wochen notierten nur die Hälfte der Indizes über ihrer 21-Tage-Linie, jetzt sind es alle. Besonders heiß gelaufen ist der DAX: 17 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt.
Wir haben uns gefragt: Was passiert eigentlich, wenn der DAX so weit überhitzt? Die Statistik gibt erste Hinweise. In den vergangenen Jahrzehnten lag die Trefferquote für weitere Kursgewinne in den folgenden sechs Monaten bei nur 40 Prozent und einer mageren Durchschnittsrendite von weniger als zwei Prozent. Eine Ausnahme war zuletzt das Jahr 2009, als der Markt nach der Finanzkrise eine massive Gegenbewegung zeigte.

Gerade die jüngere Vergangenheit liefert gute Hinweise. 2015 kletterte der DAX bis April weiter hoch und entfernte sich um satte 23 Prozent von seinem Durchschnittswert. Würde sich dieses Muster wiederholen, wären aktuell Kurse um 23.500 Punkte möglich. Klingt verlockend, aber Vorsicht: Die Übertreibung wurde im Sommer mit einem saftigen Rücksetzer von 25 Prozent bestraft.
Und 2021? Nach einem starken Jahresstart folgte ab April eine zähe Seitwärtsbewegung. Die nicht ganz so starke Übertreibung wurde also mit einer Konsolidierung über die Zeitachse, und nicht wie 2015 über den Preis, abgebaut. Damit bleibt es bei unserer Warnung: Je stärker der DAX jetzt überhitzt, desto größer die Wahrscheinlichkeit für eine schmerzhaftere Korrektur.
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